"Fleisch, leb wohl!"

Ein kurzer Einblick in die Karnevalsgeschichte

Fastnacht, Fasching und Fastnachtsbräuche

Die Fastnacht war ursprünglich die Nacht vor Aschermittwoch, später die gesamte Zeit der Woche davor. Gefeiert wurde die Fastnacht bereits im Mittelalter mit Vermummungen, Festmahlen und Umzügen. Häufig sind die Fastnachtsbräuche Frühlingsbräuche zur Vertreibung des Winters aus vorchristlicher Zeit. Am Rhein und in den romanischen Ländern entwickelte sich daraus der Karneval, in Bayern der Fasching (= aus dem mittelhochdeutschen, bedeutet soviel wie "Ausschenken des Fastentrunks").
Die heutige Form des Karnevals mit Büttenreden, Karnevalssitzungen, Umzügen und die Wahl des Prinzenpaares geht auf das 19. Jahrhundert zurück.

Zu den Traditionen der Karnevalszeit gehören unter anderem die Fastnachtsbräuche, die häufig eine Umkehrung der etablierten Ordnung durch Parodien und Verspottungen darstellen sollen ( z.B. die Erschaffung einer Gegenregierung oder die Ernennung eines Narren zum Karnevalskönig). Im allgemeinen wird den Fastnachtsbräuchen eine Ventilfunktion zugeschrieben, vor allem in Bezug auf staatliche Macht, gesellschaftliche Konventionen und kirchliche Institutionen.

Die Fastnachtszeit war bis ins 14. Jahrhundert im wesentlichen noch von patrizischen Reiterspielen geprägt. Später entwickelte sich dann ein vielfältiges Maskenbrauchtum. Das Motiv für das ausgelassene Feiern in der Karnevalszeit ( groteske Darstellungen, Prasserei und Exzesse) war im Mittelalter die anschließende Fasten- und Bußzeit.
Später im Barock wurden prächtige Kostümfeste an Fürstenhöfen gefeiert, wobei ihre mythologischen und allegorischen Formen noch Einfluss bis ins 19. Jahrhundert auf die städtischen Fastnachtsbräuche hatten. Seit dem beginnenden 18. Jahrhundert wurde die künstlerische Gestaltung entscheidend aus Venedig beeinflusst.

Eine weitere Tradition zur Fastnachtszeit sind die Fastnachtsspiele, die eine Form des weltlichen Dramas darstellen. Sie wurden im 15. Jahrhundert vor allem in Nürnberg entwickelt und später von Hans Sachs im 16. Jahrhundert aufgegriffen. Unterschieden wird bei den Fastnachtsspielen zwischen dem Reihenspiel (Aufeinanderfolge komischer und grober Sprüche) und dem Handlungsspiel, bei dem meist spätmittelalterliche Schwänke (derbe und humorvolle Erzählungen oder auch volkstümliche Komödie) die Vorlage waren.
Eine kleine Auswahl der moralisierenden und kraftvoll typisierenden Schwänke und Fastnachtsspiele von Hans Sachs sind unter anderem:

  • "Das Narrenschneiden" (1534)
  • "Der schwanger Pauer" (1544)
  • "Der Teufel mit dem alten Weib" (1545)
  • "Der farend Schüler im Paradeiß" (1550)1534)

Weitere bekannte Schwänke aus dieser Zeit sind die Erzählungen über Till Eulenspiegel (14. Jahrhundert, berühmt für seine Narrenstreiche) und die Schildbürgergeschichten (1598 erschienene Schwanksammlung).

Da der "Schildbürgerstreich" sprichwörtlich die Bezeichnung für "besonders unüberdachtes Handeln" darstellt, möchte ich euch warnen, gerade bei ausgelassenen Karnevalfeiern, passt auf, dass ihr es den Schildbürgern nicht gleich tut.
In diesem Sinne, Helau, Alaaf und feiert schön!

Die Geschichte des osnabrücker Karnevals

Vom Karnevalskritiker zur grauen Helau-Eminenz

Hans Wolfgang Kindervater, der Gründer des Osnabrücker Straßenkarnevals erinnert sich:

Eine der verblüffendsten Geschichten des osnabrücker Karnevals ist wohl die, wie Wolfgang Kindervater 1974 zu seinem Amt als Präsident des Bürgerausschuss Osnabrücker Karneval (BOK) gekommen ist, um dann diese Funktion bis 1994 auszuüben. Quasi in Umkehrung des Sruches „Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche“ hatte er als Lokalredakteur in seiner Kolumne heftig gegen die Osnabrücker Karnevalsaktivitäten polemisiert: Wenn die Narren so weitermachten, kämen Sie nie aus Ihrer Niesche Sitzungskarneval heraus, würden in irgendwelchen Kneipenhinterzimmern fröhlich versauern, ohne das auch nur eine Schunkelwelle auf die Öffentlichkeit überschwappen könnte.

 

Der Konter der Karnevalisten war ebenso überraschend wie folgenschwer: Auf Ihrer nächsten Sitzung, an der der Redakteur Kindervater eigentlich als Berichterstatter teilnehmen wollte, entrissen Sie ihm kurzerhand seine Kritikerfeder und stülpten Ihm kurzerhand die Narrenkappe auf sein Haupt. Eine büttenreife überrumpelungsaktion, die Hans Wolfgang Kindervater zum obersten Karnevalisten Osnabrücks machte.

Wieviel Wahrheit an dieser Anekdote von Session zu Session villeicht auf der Strecke geblieben ist, weiß niemand so genau. Tatsache ist jedoch, dass das Osnabrücker Karnevalsglück von da an seinen Lauf nahm.

Mit seinem Verhandlungsgeschick und dank vieler guter Kontakte gelang es Hans Wolfgang Kindervater in frohsinnig-zähen Gesprächen, Karnevalisten, Wirtschaft, Politik und Verwaltung für seine Idee zu begeistern:

 

In den 70ér jahren ging der Karneval auf die Straße, der Ossensamstag war geboren – und wenn es heute nicht nur in Köln oder Düsseldorf, sondern auch in Osnabrück heißt „Dr Zuch Kütt!“, dann weiß der heutige BOK-Ehrenpräsident in Wallenhorst auf seinem Lieblingssofa nur allzugenau, warum.

 

 

 

 

 

 

Mit dem Bus zum Zug

Am Ossensamstag ab 11.11 Uhr ist es wieder soweit: Der Ossensamstags-Zug bahnt sich seinen Weg durch Osnabrück – und wie in jedem Jahr ist zu erwarten, daß 100.000 oder mehr Narren den Verkehr wieder in der Innenstadt vorrübergehend lahm legen werden.
Am Ossensamstag ist vieles anders. Als Partner der Osnabrücker Narren werden die Stadtwerke wieder zahlreiche zusätzliche Busse einsetzen, die dann wieder möglichst nah an die Zugstrecke zwischen Johannisstraße und Markt heranfahren. Damit das reibungslos klappt, wird auch eine ganze Reihe von zentral gelegenen Ersatzhaltestellen eingerichtet. Beachten Sie hierzu bitte die aktuellen Hinweise und Detail-Infos in der Tagespresse.

 

 

 

 

Unser Tipp:

Ganz gleich, ob Sie Ossensamstag aus Richtung Hellern, Belm, Iburger Straße oder Heger-Tor in die City wollen – lassen Sie Ihr Auto in der Garage, sparen Sie sich die Parkplatzsuche, fahren Sie stressfrei und günstig mit dem Bus! Falls Sie das närrische Treiben nicht losläßt und es etwas später wird, steht Ihnen selbstverständlich auch der NachtBus wie gewohnt zur Verfügung.

Wir danken der Redaktion des Kundenmagazins "HIER!" der Stadtwerke Osnabrück für diesen Artikel. Weitere Infos findet ihr unter www.stadtwerke-osnabrueck.de